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Technik

Interview von Mareike

Windanlagen weit draußen im Meer erzeugen viel mehr Strom als an Land, weil auf hoher See der Wind stärker bläst. Allerdings sind Reparaturen dort auch wesentlich komplizierter. Mareike Leimeister (25) findet heraus, wie schwimmende Windanlagen zuverlässiger arbeiten können.

Ihre Leidenschaft ist über 100 Meter lang und wiegt so viel wie 250 Elefanten. Was fasziniert Sie so an Windanlagen?

Windparks in Nord- und Ostsee werden in Zukunft eine noch größere Rolle als Energielieferant in Deutschland spielen. Bis 2030 sollen sich Offshore-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 15 Gigawatt vor den Küsten Deutschlands drehen. Damit können bis zu 15 Millionen Haushalte mit sauberem Strom versorgt werden. Das zu ermöglichen begeistert mich.

Wann entdeckten Sie Ihr Interesse an den erneuerbaren Energien?

Im Grunde schon in der Schulzeit. Obwohl meine Interessen breit gefächert sind und ich auch viel musiziere und Sport treibe, zog es mich besonders zur Mathematik hin. Ich nahm an diversen Mathe-Wettbewerben teil, weil ich einfach das mathematische Denken und die Kreativität sehr mochte. Dann kam ich bei der Fraunhofer-Talent-School mit Themen wie Energiegewinnung und erneuerbaren Energien in Berührung und legte damit den Grundstein für meine weitere Laufbahn.

Was gab den Ausschlag für Ihre Entscheidung, den Bachelor im Fach Erneuerbare Energien an der Universität Stuttgart machen?

Bei der Studienwahl sollte man auf seine Interessen schauen und nicht darauf, was man verdienen kann oder wo die besten Karrierechancen liegen. Schon während des Bachelor-Studiums hatte ich das Bedürfnis, die unterschiedlichen Energieformen tiefer kennen zu lernen und habe mich schließlich auf Kinetische Energiesysteme spezialisiert. Außerdem habe ich einen Ausflug in die Bionik gemacht. Diese Wissenschaft beschäftigt sich mit dem Übertragen von Phänomenen der Natur auf die Technik. Ein bekanntes Beispiel aus der Geschichte ist Leonardo da Vincis Idee, den Vogelflug auf Flugmaschinen zu übertragen. Erkenntnisse aus der Natur lassen sich auch gut auf Windanlagen übertragen.

Mussten Sie auch mal Rückschläge hinnehmen?

Natürlich. Die Betreuung meiner Bachelor-Arbeit lief nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Und einige Firmen, mit denen ich mir eine Masterarbeit hätte vorstellen können, reagierten nur verhalten – das war zunächst schon enttäuschend. Deshalb war ich froh, dass es für meine Masterarbeit schließlich zu einer Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik IWES in Bremerhaven kam – was am Ende wunderbar klappte.

Für Ihren European Wind Energy Master in Wind-Energie und Offshore-Engineering kamen Sie ziemlich viel rum ...

Genau, das Programm führte mich zu Universitäten in Holland, Norwegen und Dänemark. Die Vorlesungen fanden auf Englisch statt, auch meine Masterarbeit schrieb ich auf Englisch. An jeder der Unis konnte ich die besten Kurse besuchen, alles war gut aufeinander abgestimmt. Diese internationale Erfahrung finde ich unbezahlbar. So konnte ich an jeder Uni Kontakte zu Professoren und Kommilitonen knüpfen, auf die ich heute immer wieder zurückgreife.

Woran forschen Sie aktuell am Fraunhofer IWES?

Zum einen an hydrodynamischen Effekten auf große Monopiles (das sind einzelne runde Stahlpfähle, die beim Bau von Offshore-Bauwerken zum Einsatz kommen), zum anderen an der Modellierung beziehungsweise Simulation von schwimmenden Offshore-Windkraft-Anlagen. Als nächstes werde ich im Rahmen eines anderen Projektes auch eine Studie zur Wirkungsgradoptimierung von Windfarmen durchführen. Für meine Promotion untersuche ich zudem noch die schwimmende Substruktur für Windkraftanlagen und wie sich deren Zuverlässigkeit optimieren lässt. Denn bei schwimmenden Offshore-Anlagen hat man immer ein Problem, wenn ein Fehler auftritt, weil man zur Wartung rausfahren muss. Dabei verliert man viel Zeit und Geld. Trotzdem lohnen sich die Windkraftanlagen vor der Küste mehr als Windräder an Land, weil die Windgeschwindigkeit und dadurch auch die Stromerzeugung höher sind.

Zu welchen Schlüssen kommen Sie in Ihrer Doktorarbeit, wie lässt sich die Zuverlässigkeit der Anlagen erhöhen?

Zentral ist hier das Schaffen von Redundanzen. Das heißt das Einbauen verschiedener Mechanismen, die die gleiche Funktion oder eine ähnliche erfüllen. So kann beim Ausfall des einen sofort ein anderer übernehmen. Dadurch hat man größere Zeitfenster, in denen man Reparaturen durchführen kann. Aber ich stehe noch ziemlich am Anfang meiner Doktorarbeit und werde vermutlich drei Jahre dafür benötigen.

Wann kommen Sie zum Schreiben, wo Sie doch jetzt wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fraunhofer IWES sind?

Ich habe hier eine Teilzeitstelle. Für meine Promotion besuche ich auch Kurse an der Cranfield University in England und splitte meine Zeit. Das geht mit dem Fraunhofer IWES – dort ist man flexibel, das konnte ich ja schon bei meiner Masterarbeit sehen.

Finden Sie dabei nach wie vor Zeit zum Musizieren und Sporttreiben?

Natürlich bin ich nicht mehr so vielschichtig unterwegs wie in meiner Schulzeit. Aber ich spiele Klavier und Saxophon und tobe mich beim Karate, Tanzen und Radfahren aus.

Welche beruflichen Herausforderungen meistern Sie gerade noch?

Ich habe jetzt eine Projektleitung übernommen und soll auch in der nächsten Zeit selbst einen Projektantrag schreiben. Das wird eine neue Erfahrung für mich.

Und wo sehen Sie sich in Zukunft?

Weiter in der Forschung, sei es bei Fraunhofer oder bei einem Unternehmen mit eigener Forschungsabteilung. Windkraftanlagen selbst zu vertreiben, wäre jetzt nicht so mein Ding. Ich will auf jeden Fall gefordert werden und über einem Problem brüten.

Aber es soll etwas mit Windanlagen zu tun haben?

Natürlich. Die könnte man noch um Hybridkonstruktionen erweitern, zum Beispiel Wind und Wellen oder Wind und Gezeiten ... ich habe da ein paar Ideen.

Text: Gabriele Müller
Bild: privat

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