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11.01.2012
Nicht nur in der Privatwirtschaft, sondern auch in öffentlichen Unternehmen sind Frauen in Führungsetagen deutlich unterrepräsentiert. Das bestätigt nun eine Studie der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg, die sich erstmals die Frauenquoten in Führungsgremien staatlicher Betriebe genau angesehen hat. Für die Studie haben die Autoren Ulf Papenfuß und Matthias Schrader insgesamt 320 staatliche Unternehmen der 16 Landeshauptstädte und des Bundes unter die Lupe genommen.
Kein Anstieg in den Geschäftsleitungen erkennbar
In den Vorständen und Geschäftsleitungen staatlicher Unternehmen zeigt der Städtevergleich: Im Durchschnitt betrug hier im Jahr 2009 der Frauenanteil 19,5 Prozent - und liegt damit deutlich über dem Wert in der Privatwirtschaft (Vorstände 3,6%). Gleichwohl werden auch im öffentlichen Sektor längst nicht die derzeit für die Privatwirtschaft diskutierten Quoten von 30 bzw. 40 Prozent erreicht. Und wie in der Privatwirtschaft ist auch in den öffentlichen Unternehmen im Vergleich zu den Vorjahren kein Anstieg zu verzeichnen; im Gegenteil ist der Frauenanteil in den obersten Führungsgremien seit 2008 leicht gesunken.
Hauptstädteranking: Berlin bei den Geschäftsleitungen Schlusslicht
Im Großstädtevergleich unterscheiden sich die Frauenquoten teilweise erheblich voneinander. Während in Berlin nicht mal jede zehnte Geschäftsleitung in einem staatlichen Unternehmen mit einer Frau besetzt ist, trifft dies in Hamburg auf jede siebte Position, in München auf jede dritte und in Düsseldorf auf jede zweite zu.
Bei den Aufsichtsräten öffentlicher Unternehmen liegt der Anteil von Frauen im Gesamtschnitt der Städte bei rund 28 Prozent. Damit werden die analogen Werte in der Privatwirtschaft (11,8%) ebenfalls deutlich überschritten. Doch auch hier gilt: Eine Geschlechterquote von 40 Prozent, wie sie etwa Norwegen für seine Aufsichtsratsgremien vorschreibt, wird auch hier bei Weitem nicht erreicht.
Bund hinkt Städten hinterher
Auch hier zeigt sich im Vergleich der 16 Landeshauptstädte eine deutliche Spreizung: Während in Magdeburg 15 Prozent der Gremienmitglieder Frauen sind, können Bremen (23 Prozent), Hamburg (26 Prozent) und München (35 Prozent) mit höheren Quoten aufwarten. Berlin ist bei den Aufsichtsratgremien der öffentlichen Unternehmen mit einer Frauenquote von fast 43 Prozent der absoluten Spitzenreiter. Als auffallend niedrig erwiesen sich bei vergleichender Betrachtung auch die Werte des Bundes (18%).
Die viel diskutierte Geschlechterquote von 40 Prozent wird in öffentlichen Unternehmen nur in Berlin erreicht. In Hamburg weist nur knapp jeder zehnte Aufsichtsrat eine Frauenquote von über 40 Prozent auf. In München sind dagegen in fast jedem zweiten Aufsichtsrat über 40 Prozent Frauen vertreten.
"Börsennotierte Unternehmen werden in Deutschland von der Wissenschaft sehr umfassend und detailliert untersucht. Mit Blick auf die gesellschaftliche Relevanz verdienen öffentliche Unternehmen mehr empirische Forschung zur Unterstützung der Praxis", erläuterte Papenfuß, Mitautor der neuen Studie, und kündigte an, dass die Längsschnittuntersuchung langfristig fortgesetzt und erweitert werden soll.