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MINT-Veranstaltungen

Interview Prof. Dr. Dagmar Schipanski

Interview mit: Prof. Dr. Dagmar Schipanski, Präsidium der Niedersächsischen Technischen Hochschule Braunschweig, zum Thema Führungsfrauen

Wollten Sie schon immer Führungsverantwortung erreichen?

Ich wollte immer das erreichen, was mir möglich ist. In der damaligen DDR wollte ich aus ideologischen Gründen keine Führungsverantwortung. Aber dann war natürlich dieser Bruch in meinem Leben und damit veränderte Bedingungen. Damit konnte ich anspruchsvollere Ziele ins Visier nehmen.

Was war der größte Beschleuniger?

Die friedliche Revolution. Die politischen Verhältnisse, die WIR radikal verändert haben. Das ist nur an verantwortlicher Position möglich.

Was war die größte Bremse auf diesem Weg?

Nach außen mein Alter, aber für mich persönlich bedeutete es, dass ich sehr viel Erfahrungen einbringen konnte, die der Sache sehr dienlich waren.

Welche Eigenschaft hilft mir am meisten, wenn ich Führungsfrau im MINT-Bereich werden möchte?

Hartnäckigkeit. Und analytische Fähigkeiten: Sie müssen Trends, Situationen und Menschen einschätzen können. Und Sie sollten Visionen entwickeln können, das heißt, umfassend denken und sich nicht in Details verheddern.

Wäre es sinnvoll – und wenn ja, warum – dass mehr Frauen in MINT-Bereichen Führungsverantwortung erlangen?

Da führe ich gern das Beispiel von Benutzeroberflächen an: Werden die von Frauen programmiert, sind sie viel benutzerfreundlicher. Frauen betonen in der Technikwelt eher die menschliche Komponente. Das ist wichtig, denn Technik muss von der Gesellschaft auch angenommen werden. Kein Mann hat je versucht, Technik als Wunderwerk zu erklären ... was für eine einzigartige Faszination das ist.

Wie erreichen wir es, dass im MINT-Bereich mehr Frauen in Führungspositionen gelangen?

Ich unterstütze dieses „Kaskadenmodell“, damit wir eine kritische Masse erreichen, die notwendig ist, damit Veränderung spürbar wird.

Was assoziieren Sie mit dem Begriff „Karrierefrau“?

Etwas Positives: Eine Frau, die ihr Leben bewusst in die Hand nimmt und gestaltet. Die ihr Leben plant und sich voll einsetzt. Die in der Familie verwurzelt und im Beruf erfolgreich ist. Die aber beides mit Verstand und Seele macht. Allein die Ellbogen einzusetzen, reicht als Führungskraft nicht aus.

Was wäre die wichtigste Stellschraube in wissenschaftlichen Einrichtungen, um mehr Führungsfrauen in MINT-Bereichen zu bekommen?

Wir müssen die Karrierewege besser absichern. Bisher ist es so, dass der wissenschaftliche Nachwuchs sich von einem befristeten Projekt zum nächsten hangeln muss. Bekommen Frauen in dieser Zeit Kinder, fallen sie aus dem System raus. Das erschwert den Einstieg in eine Karriere. Zudem haben Frauen oft keine volle Stelle und damit entsprechend wenig Geld. Wir müssen Wege finden, dass die Hochschulen und Forschungsinstitute hier größere Sicherheit bieten.

Wie können Frauen noch bei einer wissenschaftlichen Karriere unterstützt werden?

Auch Frauen müssen natürlich bestimmte Kriterien erfüllen, die eine Berufungskommission stellt. Zum Beispiel ist die Anzahl der Veröffentlichungen ein Kriterium. Wir müssen den Frauen also ermöglichen, viel zu publizieren. Und wir müssen ihnen Dienstreisen zu internationalen Tagungen und Vorträgen finanzieren, damit sie Reputation gewinnen und bekannt werden.

Was kann Politik tun, damit mehr Frauen im MINT-Bereich Führungspositionen erlangen?

Als Zukunftsvision kann ich mir vorstellen, dass Kindererziehungszeiten wie Zeiten der Berufstätigkeit gewertet werden.

Generell sollte Politik sich in der öffentlichen Diskussion zu Technik, Naturwissenschaft und Forschung bekennen. Unsere wirtschaftliche Stärke ist eng mit der Forschung verbunden. Wir sollten nicht immer nur über Technikfolgenabschätzung sprechen, sondern auch darüber, welche Erleichterungen Technik für unser tägliches Leben bietet – siehe Geschirrspüler oder Auto oder Medizintechnik.

Und wir müssen deutlich machen, dass Forschung ebenso sehr weiblich ist, wie auch männlich. Unsere Welt bedarf der männlichen und weiblichen Sicht.

Was ist Ihr Tipp für Frauen, die eine Führungsrolle im MINT-Bereich anstreben?

Beharrlichkeit, Durchsetzungsvermögen und Sensibilität für das Team!

Was ist Ihr Tipp für Frauen, die eine Führungsrolle in MINT bereits erreicht haben?

Durchhaltevermögen - in einer Karriere sind sie ein Leben lang extremen Anforderungen ausgesetzt. Und sie brauchen Begeisterung für ihren Beruf. Für mich war Forschung immer spannend und ermöglichte den Blick in unbekannte Dimensionen. Das hat mich gereizt.

Zentral ist die innere Zufriedenheit. Das ist wichtig zu lernen – für Frauen und Männer: Mit dem Erreichten zufrieden zu sein.

Was gewinnen Männer durch mehr Führungsfrauen im MINT-Bereich?

Einen menschlicheren Umgang miteinander, denn Frauen sind oftmals ausgleichender und weniger konfrontativ als Männer.

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