DMV: Gudrun Tisch ist Mathemacherin des Monats Januar 2012
30.01.2012
Gudrun Tisch ist Mathematik-Lehrerin an der Katholischen Schule Liebfrauen. Erst vor sieben Jahren ist sie von Aschaffenburg nach Berlin gezogen. Mit ihren Schülern verwirklicht sie in beeindruckender Weise verschiedene Mathematik-Projekte. Stephanie Schiemann vom DMV-Netzwerkbüro Schule-Hochschule sprach mit ihr.
Seit 7 Jahren nehmen Sie mit Ihren Schülerinnen und Schülern am digitalen Mathe-Adventskalender teil, zunächst am Oberstufenkalender vom Matheon und seit der Existenz der Mittelstufenkalender auch an diesen. Auf Ihrem „Konto" stehen dieses Jahr die meisten Schüler. Wie haben Sie so viele Schüler und Kollegen motiviert mitzumachen und wie schaffen Sie es in der stressigen Weihnachtszeit, diese Motivation 24 Tage bei den Schülern aufrecht zu erhalten?
Der Mathekalender hatte für mich von Anfang an ein hohes „Suchtpotential". Es macht mir selbst ungeheuren Spaß, beim Kalender für die Großen mit zu knobeln und ich denke, dass diese Begeisterung auch auf die Schüler überspringt.
Nachdem ich zwei Jahre lang nur in meinen eigenen Klassen Werbung für den Kalender gemacht hatte und diese Gruppen auch richtig erfolgreich waren, wollte ich dieses Jahr so viele Schüler der Schule wie möglich zur Teilnahme motivieren. Den Kollegen habe ich frühzeitig von der Idee erzählt und ihnen auch bei der Registrierung für die Klassen geholfen. Wir haben mit den Plakaten geworben und Informationen über den Kalender in den Klassen verteilt. Am Musischen Abend, der kurz vor Start des Kalenders stattfand, hat meine 7a, die schon zweimal auf dem Siegertreppchen stand, viele Tütchen mit Zimtsternen, Dominosteinen und Spekulatiuskeksen, den Symbolen der drei Kalender, verkauft. An jedem Päckchen hing eine Knobelaufgabe und eine Registrierungsanleitung.
Ab dem 1. Dezember wurden täglich die drei aktuellen Aufgaben der Kalender (4. - 6. Klasse, 7. - 9. Klasse, Oberstufe) in einem riesigen Adventskalender im Foyer unserer Schule ausgehängt. In den Pausen wurde meist schon dort über die Lösungen diskutiert. Einige Klassen organisierten aber auch, dass immer jemand die Tagesaufgabe mitbrachte. Oft wurde ich auf dem Flur oder dem Pausenhof angesprochen, dass es in der Klasse xy schon eine Lösung gebe. Natürlich haben nicht alle Schüler bis zum Schluss durchgehalten, aber in einigen Klassen hat sich bezüglich des Kalenders eine erstaunliche Dynamik entwickelt: Die Schülerinnen und Schüler motivierten sich gegenseitig zum Durchhalten.
Einmal pro Woche gab es dann noch eine schulinterne Info über die Zahl der aktuellen Teilnehmer und der richtigen bzw. falschen Antworten pro Klasse. Das war auch für die Kollegen immer interessant und ein Ansporn, am Ball zu bleiben.
Als ich den Schul-Mathekalender nach den Weihnachtsferien „abbaute", meinten zwei Schüler im Vorbeigehen: „Nur noch knapp 11 Monate, dann ist es wieder so weit."
Im letzten Jahr haben Sie sich freundlicherweise bereit erklärt eine Mathekollegin der engagiertesten Mathekalenderschule bei sich zuhause aufzunehmen und haben auch Schüler von ihr bei Schülern von Ihnen untergebracht. Dort wurden interessante Pläne geschmiedet. Mögen Sie uns davon etwas verraten?
Der Ideenaustausch mit Kollegen ist ja immer sehr bereichernd. Zufällig hat es aber in diesem Fall besonders gut gepasst und Frau Löhr aus dem Westerwald und ich telefonieren und mailen seither regelmäßig. Irgendwann entstand die Idee zu einem Matheaustausch zwischen unseren beiden Schulen, einem gegenseitigen Besuch von mathebegeisterten Kindern der 7. - 9. Klassen mit viel mathematischem Rahmenprogramm (mathematische Stadtführungen, Besuch des Mathematikums in Gießen, Besuch des Mathelabors an der TU u.a.m). Wir wollen in diesem Schuljahr einen Probelauf versuchen. Ich freue mich schon sehr darauf.
Das Mathe-Camp ist ein weiteres Mathe-Highlight ihrer Schule, welches Sie etabliert haben. Mitte Februar 2012 findet es wieder statt. Was hat es damit auf sich?
Die Idee des Mathecamps entstand vor vier Jahren, als mein Kollege und ich merkten, dass wir für die bis dahin stattfindenden Mathe-AGs der Mittel- und Oberstufe auf Grund der längeren Schultage keine Termine mehr finden konnten. Nun fahren wir - drei bis vier Kollegen und einige Ehemalige - jedes Jahr mit ca. 45 Schülerinnen und Schülern aller Altersstufen in ein Selbstversorgerhaus in der Nähe und betreiben drei Tage lang spannende Mathematik außerhalb des Schulstoffes. Am ersten Abend steht immer ein Gruppenabend mit altersgemischten Teams auf dem Programm. Letztes Jahr haben wir für diesen Abend z. B. das Thema „Platonische Körper" gewählt und neben vielen anderen Aufgaben zu diesem Thema riesengroße Heißluftballons aus Seidenpapier in Form platonischer Körper gebaut. Ab dem zweiten Tag gibt es dann Workshops in altershomogenen Gruppen. Themenbeispiele hier sind: Markov-Ketten, andere Zahlensysteme, Aussagenlogik, Spielstrategie, Fourier-Reihen, Parkettierungen ... Oft bieten auch Teilnehmer selbst Workshops an. Einmal hat ein Schüler der 5. Klasse einen mathematischen Origami-Workshop für die Oberstufe durchgeführt - eine spannende Konstellation! Traditionell gibt es am 2. Abend eine aufwändige Mathe-Rallye für die Unter- und Mittelstufe, die von treuen Ehemaligen (selbst früher Camp-Teilnehmer) organisiert wird. Die Altersmischung und die Selbstversorgung, bei der jeder mit anpacken muss, machen die besondere Atmosphäre unseres Mathecamps aus.
Das ganze Interview weiterlesen unter https://dmv.mathematik.de