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Stipendium - aber wie?

Mit dem Stipendium verhält es sich ähnlich wie mit der Studienwahl. Leicht ist es nicht aus der Vielzahl an Angeboten das richtige auszuwählen. Vieles will bedacht sein – doch wo fängt man an, wo hört man auf zu denken? Wir geben dir einige Anhaltspunkte in der Masse an Firmen, Förderwerken, Verbänden und Hochschulen das passende Stipendium für dich zu finden.

Was bietet mir ein Stipendium?

Warum Stipendium? Ich kann doch genauso gut Bafög beantragen. Könntest du, doch ein Stipendium bietet wesentlich mehr Vorteile als nur die finanzielle Unterstützung. Davon ab musst du die Gelder, die du im Rahmen eines Stipendiums erhältst später nicht zurückzahlen, wie es beim Bafög normalerweise üblich ist. Die jeweilige Organisation investiert sozusagen in kompetenten Nachwuchs. So sichern sie sich einerseits selber die Fachkräfte und sorgen andererseits für ein positives Image. Dieses positive Image kann dir im Gegenzug ebenfalls zugute kommen. Immerhin schindet es enormen Eindruck, den Namen der Stiftung in Bewerbungen zu erwähnen. So sieht dein späterer Arbeitgeber sofort, dass du engagiert und kompetent bist und dich schon frühzeitig um Kontakte und Erfahrungen in deiner Branche gekümmert hast. Außerdem verfügt deine Stiftung mit Sicherheit über einige Kontakte zu Unternehmen, die dir beim Einstieg in den Beruf nur von Vorteil sein können. Denn schaden wird es bestimmt nicht, auf Vitamin B zurückzugreifen, indem deine Stiftung ein gutes Wort für dich einlegt.

Wer bekommt ein Stipendium?

Zunächst soll dir hier gesagt werden: Dein Zeugnis muss nicht voller Einsen glänzen, um in ein Förderprogramm aufgenommen zu werden. Sicherlich ist es ein Pluspunkt, doch ein solider Durchschnitt von 2,5 und ein Ranking im oberen Drittel deines Studienganges reichen genauso. Wesentlich wichtiger ist jedoch, dass du dich für die Gesellschaft engagierst. Das kann in einer Hochschulgruppierung sein oder aber auch im Sportverein. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Als Tipp: Informiere dich vorher über die politische, konfessionelle oder sonstige Ausrichtung der Stiftung. Du musst zwar kein Parteimitglied sein, doch schadet es nicht in einer Bewerbung bei der FDP-geprägten Friedrich-Naumann-Stiftung begründen zu können, warum du dir ausgerechnet einen liberalen Förderer ausgewählt hast. Du solltest dir zunächst also auch über deinen eigenen Standpunkt im Klaren sein. Habe ich einen ausgeprägten Glauben oder mit der Kirche nichts am Hut? Bin ich ein Sozialdemokrat oder doch eher konservativ? So fällt die Suche leichter und du kannst einige Förderprogramme von vornherein ausschließen. Gleiches gilt für deine Bildungsphase. Hier stellt sich dir Frage, ob du in deiner Ausbildung, deinem Studium oder bei deiner Promotion unterstützt werden möchtest, denn auch dafür gibt es unterschiedliche Anlaufpunkte. Auch als Kind wohlhabender Eltern hast du durchaus Chancen auf ein Stipendium. Zwar musst du dann damit rechnen, weniger Geld zu bekommen als andere, doch Seminare, Workshops und die Kontakte der Organisation stehen dir genauso offen. Grundsätzlich ist also für jede Zielgruppe das passende Förderprogramm dabei. Ausgeschlossen von Stipendien sind lediglich

- Auslandsstudiengänge außerhalb der EU

- Zweitstudiengänge

- Studienabschlussphasen

- Promotionen im Fach Medizin

Wo bekomme ich ein Stipendium?

Die Förderorganisationen können kirchlich, politisch oder durch ein Unternehmen geprägt sein. Für den Anfang ist es sinnvoll, sich an die großen, staatlichen Begabtenförderungswerke zu wenden. Das sind zwölf vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützte Förderwerke. Dazu gehören

- Cusanuswerk: Katholische Kirche

- Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk: Jüdisch

- Evangelisches Studienwerk e.V. Villigst: Evangelische Kirche

- Friedrich Ebert Stiftung: SPD-nah

- Friedrich Naumann Stiftung: FDP-nah

- Hanns Seidel Stiftung: CSU-nah

- Hans Böckler Stiftung: Deutscher Gewerkschaftsbund

- Heinrich Böll Stiftung: Grünen-nah

- Konrad Adenauer Stiftung: CDU-nah

- Rosa Luxemburg Stiftung: Linkspartei/PDS-nah

- Stiftung der Deutschen Wirtschaft: Arbeitgeberverband

- Studienstiftung des Deutschen Volkes: unabhängig

Auf www.stipendienlotse.de bekommst du außerdem Zugang zu einer großen Stipendiendatenbank. Hier gibt es Suchkriterien wie „Zielregion“, „Studienfach“, „Zielgruppe“, „Bildungsphase“ und „Art des Stipendiums“, die dir dabei helfen, ein speziell auf deine Bedürfnisse abgestimmtes Förderprogramm zu finden. Jede Organisation hat auch eine eigene Website, auf der du dich anschließend über die genauen Möglichkeiten eines Stipendiums informieren kannst. Als MINTlerin werden für dich insbesondere unternehmensnahe Förderprogramme angeboten. Dazu gehören die Bayer-Stiftung, die Evonik-Stiftung und die Siemens Generation21, um einige Namen zu nennen.

Die neue Datenbank www.scholarshipportal.eu ermöglicht die Suche nach Stipendien in ganz Europa. Sich im internationalen Wirrwarr um die Zuschüsse von Universitäten, Wirtschaftsunternehmen oder des Staates zurecht zu finden, ist keineswegs leicht. Wo studieren, zu welchem Preis – und mit welchen Chancen auf finanzielle Unterstützung? Die neue Datenbank soll dem Ganzen nun einen einheitlichen Auftritt verpassen und die Orientierung erleichtern. Fortan ist der überwiegende Teil aller Hochschul-Stipendien innerhalb des Kontinents dort gespeichert.

Wie lange und in welchem Umfang werde ich unterstützt?

Die Dauer des Stipendiums beträgt im Normalfall die Regelstudienzeit. Sinnvoll ist es natürlich, sich gleich zu Beginn des Studiums für ein Stipendium zu bewerben. Das bringt dir nicht nur eine insgesamt stärkere finanzielle Unterstützung, sondern steigert auch deine Chancen als StipendiatIn ausgewählt zu werden. Bei den staatlichen Förderwerken sind monatlich bis zu 585 Euro drin. Dieser Betrag orientiert sich einerseits an den Bafög-Sätzen und andererseits am Einkommen deiner Eltern. Doktoranden und Personen mit Kind(ern) können mit etwas mehr rechnen. Ihnen können bis zu 1050 Euro pro Monat zukommen. Die genaue Summe ist abhängig von ihrem sonstigen derzeitigen Verdienst. Was immer gleich bleibt ist das zusätzliche Büchergeld in Höhe von 80 Euro monatlich. Auch Praktika, Sprachkurse, Auslandsaufenthalte und dergleichen erhalten eine Extraförderung. Voraussetzung ist allerdings, dass diese sinnvoll für das Studium und die berufliche Aus- und Weiterbildung sind. Bei Zuschüssen unabhängiger oder unternehmensnaher Stiftungen können diese Zahlen stark abweichen. Hier heißt es: Fragen kostet nichts. Einfach anrufen oder eine Mail schreiben und du weißt bescheid.

Worauf muss ich bei der Bewerbung achten?

Um es gleich vorweg zu nehmen. So individuell wie du dir das passende Stipendium suchen kannst, sollte auch deine Bewerbung sein. Das bedeutet im Klartext: Versende nicht ein und dieselbe Bewerbung an mehrere Förderer. Vielmehr solltest du dich vorher schlau machen, worauf die Stiftung besonderen Wert legt. Schau genau, welche Eigenschaften gefragt sind. Wenn du diese erfüllen kannst, kannst du eine wahrheitsgemäße Bewerbung schreiben, die genau auf die Standpunkte der Organisation zugeschnitten ist. Doch verbreite keine Lügen, falls du die Überzeugung der Stiftung nicht teilst. Denn wenn deine Bewerbung der Organisation interessant erscheint, wirst du zum Auswahlgespräch eingeladen. In dem musst du deine Bewerbung vertreten. Hier werden Lügner und Hochstapler schnell enttarnt. Auch dein Lebenslauf sollte lückenlos sein und keine Verwirrung stiften. Im weiteren Auswahlverfahren musst du dich darauf gefasst machen, dass deine Bewerbung hinterfragt wird. Auch Fragen wie „Warum sollen wir gerade Sie fördern?“ oder solche nach der eigenen Meinung zu aktuellen Themen sind üblich. Der regelmäßige Blick in eine Tageszeitung oder in Fachmagazine, die deine Studieninhalte betreffen, ist demnach sehr ratsam. In Gruppenprüfungen wird außerdem deine Sozialkompetenz getestet. Solltest du nach der schriftlichen Bewerbung und den persönlichen Gesprächen die Gruppenarbeit bestehen, steht dem Stipendium nichts mehr im Weg. Viel Erfolg!

Eine Übersicht über Stipendien aus dem MINT-Bereich erhälst du hier