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MINT-Veranstaltungen

Dokumentation der "Komm, mach MINT."-Netzwerktagung 2015

Frauen in MINT - (auch) eine Frage der Organisationskulturen

Wie gelingt es Hochschulen und Unternehmen, mehr Frauen für ihre MINT-Bereiche zu gewinnen und sie auf dem Weg in Führungspositionen zu unterstützen? Welche Rolle spielt die jeweilige Organisationskultur dabei?

Mit diesen Fragen beschäftigten sich rund 80 Paktpartner auf der "Komm, mach MINT."-Netzwerktagung vom 19. bis 20.11.2015 in Wolfsburg. Durchgeführt wurde die Tagung in Kooperation mit dem Partner Volkswagen AG und der Wolfsburg AG.

19. November 2015

Impuslvortrag "Unternehmenskulturen verändern - Karrierebrüche vermeiden"

Katharina Hochfeld

Katharina Hochfeld, IAO Fraunhofer

Im ersten Impulsvortrag des Tages stellte Katharina Hochfeld vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation die Ergebnisse des Projekts "Unternehmenskulturen verändern – Karrierebrüche vermeiden" vor.

In dem Projekt, das gemeinsam mit neun Partnerunternehmen durchgeführt wurde, wurden die Gründe für Karrierebrüche von weiblichen Führungskräften analysiert. Die Unternehmenskultur wurde dabei als Einflussfaktor untersucht. Ziel war es aufzuzeigen, wie Unternehmenskulturen etabliert werden können, in denen Frauen und Männer gleichermaßen Führungspositionen annehmen können und wollen.

Zentrales Ergebnis: Es können vier Kulturmuster unterschieden werden, die in Unternehmen vorhanden sind. Die Gründe für einen geringen Frauenanteil in Führungspositionen sind in diesen spezifischen Kulturmustern jeweils verschieden und bieten entsprechend unterschiedliche Ansatzpunkte für unternehmensspezifische Handlungsempfehlungen.

Zur Studie "Unternehmenskulturen verändern – Karrierebrüche vermeiden"

Impulsvortrag "Bei uns geht es doch um Qualität! - Gender- und Diversity-relevenate Kulturveränderungen in den MINT-Disziplinen"

Prof. Dr. Susanne Ihsen

Prof. Dr. Susanne Ihsen, TU München

"Bei uns geht es doch nur um Qualität" – unter diesem Titel stellte Prof. Dr. Susanne Ihsen im zweiten Impulsvortrag des Tages die Mechanismen vor, die im Bereich der Hochschulen und der Wissenschaft wirken und nach wie vor negative Effekte auf die Integration von Frauen haben. Zwar sind mittlerweile Projekte und Maßnahmen wirksam, die junge Frauen erfolgreich in ein MINT-Studium führen, allerdings besteht gerade in den  ersten zwei Semestern die Gefahr eines Dropouts, der bei Studentinnen oftmals nicht auf fachliche Gründe zurückzuführen ist.

Frau Prof. Ihsen führte weiter aus, dass die bestehende Technikkultur nach wie vor männlich geprägt ist und dementsprechend einem Kulturwandel entgegensteht. Entsprechend ist eine systematische und nachhaltige Veränderung der strukturellen und kulturellen Rahmenbedingungen in der Wissenschaft sowie eine Diversifizierung akzeptierter Männer- und Frauenbilder von besonderer Bedeutung, um nachhaltige Veränderungsprozesse im Sinne eines Kulturwandels anzustoßen.

Round Table Diskussion

Gruppenbild der Round Table Diskussion

Von links nach rechts: Prof. Dr. Susanne Ihsen, Elke Heitmüller, Katharina Hochfeld, Nicole Schneider, MinR'in Christina Hadulla-Kuhlmann, Moderatorin Dr. Claudia Neusüß

In der anschließenden Round Table Diskussion mit Ministerialrätin Christina Hadulla-Kuhlmann (Leiterin des Referates für Chancengerechtigkeit in Bildung und Forschung, Bundesministerium für Bildung und Forschung); Elke Heitmüller (Leiterin der Frauenförderung, Volkswagen AG); Nicole Schneider (Senior Referentin Diversity Management, Deutsche Bahn AG) sowie den beiden Impulsrednerinnen Katharina Hochfeld (IAO Fraunhofer, Stuttgart) und Prof. Dr. Susanne Ihsen (Gender Studies in den Ingenieurwissenschaften, TU München) wurde über konkrete Maßnahmen diskutiert, mit denen Hochschul- und Unternehmenskulturen verändert werden können.

Frau Hadulla-Kuhlmann gab in der Round Table Diskussion einen Überblick über die Wirkungsweise des Professorinnenprogramms von Bund und Ländern, mit dem ein doppelstrategischer Ansatz verfolgt wird: Einerseits wird die Anzahl an Professorinnen erhöht, andererseits können sich auf das Programm nur Hochschulen bewerben, die ein rechtlich verankertes Gleichstellungskonzept vorweisen können. Dadurch leistet das Programm auf zwei Ebenen einen wichtigen Beitrag zur Veränderung der Hochschulkultur.

In diesem Zusammenhang verwies Prof. Dr. Susanne Ihsen auf die Phänomene Ruhm, Ehre und Angst vor Blamage, mit Hilfe derer gerade im Forschungs- und Wissenschaftsbereich eine Kulturveränderung bewirkt werden kann. So ist es heute beispielsweise nicht mehr en vogue als Hochschule ohne Gleichstellungskonzept dazustehen. Zudem stellt die heutige Generation Y gleichberechtigte Anforderungen, auf die sich Hochschulen und Unternehmen werden einstellen müssen, wenn sie mit um die besten Köpfe konkurrieren wollen.

Die Deutsche Bahn AG war Teil der Fraunhofer-Studie "Unternehmenskulturen verändern – Karrierebrüche vermeiden". Frau Schneider berichtete, dass durch die Teilhabe an der Studie und die anschließenden Ergebnisse ein Kulturentwicklungsprozess bei der Deutschen Bahn eingeleitet  wurde, der heute zentraler Bestandteil der Strategie DB2020 ist und mit dieser Einbettung eine hohe Verbindlichkeit erreicht hat. Als konkrete Maßnahme wurde eine eigene Abteilung Diversity Management im Konzern verankert, die Gendergerechtigkeit im Unternehmen gemeinsam mit Führungskräften sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umsetzen soll.

Elke Heitmüller von der Volkswagen AG betonte anschließend, dass Frauenförderung nur funktionieren könne, wenn Frauen und Männer im Unternehmen von der Relevanz und der Notwendigkeit solcher Maßnahmen überzeugt sind und gemeinsam an Strategien zur Geschlechtergerechtigkeit arbeiten. Auch die Volkswagen AG war Teil der Fraunhofer-Studie und arbeitet seitdem mit Zielmarken bei der Einstellung von Frauen. Diese orientieren sich an dem Prozentsatz von Absolventinnen in dem jeweiligen MINT-Studiengang.

Für alle Beteiligten ist dies eine sinnvolle und logische Vorgehensweise und wird deshalb von Führungskräften und Personalverantwortlichen mitgetragen. Daten und Fakten über Einstellungszahlen und Karriereverläufe machen auch deutlich, dass es Karrierebrüche bei weiblichen Potenzialen gibt. Sie sind deshalb wichtige Argumente in Bezug auf weitere Maßnahmen zur Gendergerechtigkeit im Unternehmen.

Katharina Hochfeld sieht in den vorgestellten Konzepten der Deutschen Bahn AG und der Volkswagen AG ein Indiz dafür, wie breit gefächert die Umsetzungsmöglichkeiten der Fraunhofer-Studie sind. Sie betont, dass es aufgrund der Vielfältigkeit von Unternehmen keine allgemeine Checkliste gibt wie Gendergerechtigkeit im Unternehmen langfristig implementiert werden kann. Dies gilt auch für die Übertragbarkeit der Ergebnisse der Studie auf KMUs.

Neue Partner im Netzwerk

Gruppenbild der neuen Partner

Die neuen Partner

Der erste Tag der Netzwerktagung endete mit einer kurzen Vorstellung der anwesenden neuen Paktpartner Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), MINT im Werra-Meißner-Kreis e.V., Initiative Naturwissenschaft & Technik NAT gGmbH, Frankfurt University of Applied Sciences und dem Pakt-Projekt "Geschlechtergerechte Fachdidaktik in Naturwissenschaften, Technik und Wirtschaftswissenschaften – GELEFA".

Anschließend gab es eine Führung durch das Phaeno in Wolfsburg und ein Dinnerspeech von Anke Tesch, Leiterin der Abteilung Technische Analyse und Produktbewertung, Technische Entwicklung bei der Volkswagen AG. Sie berichtete von ihrem beruflichen Werdegang und ihren Karriereschritten innerhalb der Volkswagen AG.

20. November 2015

Aktivitäten der Geschäftsstelle "Komm, mach MINT."

Dr. Ulrike Struwe

Dr. Ulrike Struwe

Dr. Ulrike Struwe, Leiterin der Geschäftsstelle von "Komm, mach MINT.", Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V., Bielefeld

Den zweiten Tag der Veranstaltung eröffnete Dr. Ulrike Struwe mit einem Überblick über die Aktivitäten der Geschäftsstelle von "Komm, mach MINT." In diesem Rahmen berichtete Frau Dr. Struwe von den Ergebnissen der Paktpartner-Befragung. Diese zeigen, dass die Vernetzung der diversen Partner unter dem Dach von "Komm, mach MINT." vielfältige positive Effekte hat: So haben beispielsweise mehr als 57 Prozent der Partner ihre MINT-Aktivitäten für Frauen ausgebaut, 41 Prozent der Befragten haben neue MINT-Aktivitäten entwickelt und durchgeführt.

Im Anschluss hatten die Teilnehmenden der Netzwerktagung in drei thematischen Workshops die Gelegenheit, sich darüber auszutauschen, wie Gender in Hochschulen und Unternehmen nachhaltig implementiert werden kann und welche guten Beispiele es diesbezüglich bereits gibt.

Nach der Veranstaltung konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Netzwerktagung an einer Werksführung durch das Volkswagenwerk Wolfsburg teilnehmen.

Die Workshops

Workshop 1:

Mehr Frauen in Führungspositionen
Andreas Rauchfuss und Eva Viehoff

Andreas Rauchfuss und Eva Viehoff

Andreas Rauchfuss, MOVE Organisationsberatung GbR; Eva Viehoff, Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V.

Um das Potenzial weiblicher Führungskräfte zu nutzen, ist es hilfreich, sich mit Unternehmenskultur und ihren Wirkungen auseinanderzusetzen. "Topmanagement ist wie die Aufnahme in einen Club. Nur leider werden die Regeln für eine Club-Mitgliedschaft nicht öffentlich ausgehängt." Diese Aussage in der Studie "Unternehmenskulturen verändern – Karrierebrüche vermeiden" macht deutlich, dass informell erwünschte Verhaltensmuster entscheidend für die Mitgliedschaft im Management – bzw. für den Ausschluss – sind. Kultur, Regeln und Verhaltensmuster zu ändern ist eine Führungsaufgabe.

Um die Grammatik solcher Unternehmenskulturen besser entschlüsseln zu können, bot der Workshop auf Basis einer systemischen Perspektive praxisnahe Anregungen. Denn konkrete Techniken, um forschend die "Landkarten" der informellen Regeln in den unterschiedlichen Organisationen aufzuspüren und zu beschreiben sind wichtige Voraussetzungen dafür, um Kulturen und Verhaltensmuster erkennen und die Wirkung und Veränderungschancen unterschiedlicher Kulturformen besser einschätzen zu können.

Workshop 2:

Organisationsgestaltung für mehr Frauen und Vielfalt - mal ganz praktisch
Prof. Dr. Martine Herpers

Prof. Dr. Martine Herpers

Prof. Dr. Martine Herpers, Quality and Gender Consulting

Was können Unternehmen tun, um mehr Frauen auf dem Weg in Führungspositionen zu unterstützen? Diese Frage diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und hielten als zentralen Punkt fest, dass eine Sensibilisierung der Führungskräfte für das Thema Gender erfolgen muss. Erst wenn die Relevanz von Gendergerechtigkeit in den oberen Führungsetagen angekommen ist, wird sich das Thema Top-Down langfristig etablieren können.

Als dafür geeignetes Instrument wurden Awareness-Trainings (psychologische Trainings) identifiziert sowie der Abbau von Rollenstereotypen in Bildern und Sprache und die gezielte Ansprache und Unterstützung von weiblichen Nachwuchskräften für die Karriereentwicklung. Auch Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen und Männer wurden als sinnvoll herausgestellt.

Für einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer stellt sich die Einrichtung von Frauennetzwerken innerhalb eines Unternehmens als wichtiges Instrument zur Stärkung des Frauenanteils in Führung.

Fazit des Workshops: Es muss in den Unternehmen aktiv etwas getan werden – nur über Gendergerechtigkeit reden hilft nicht.

Workshop 3:

Gender-Lehre in MINT-Fächern: Genderkompetenz als Fachwissen
Inka Greusing

Inka Greusing

Inka Greusing, Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung (ZIFG), Technische Universität Berlin

Inka Greusing referierte über das Lehrforschungsseminar der TU Berlin "Wie versteckt sich Gender in Naturwissenschaften und Technik", das sich an Studierende aller Studiengänge, insbesondere der Natur- und Technikwissenschaften, richtet.

Im Anschluss diskutierten die Teilnehmenden des Workshops über Projekte an ihren Hochschulen, die darauf ausgerichtet sind, mehr Frauen für die MINT-Studiengänge zu gewinnen bzw. während des Studiums zu unterstützen. Im Fokus stand die Frage, wie es gelingen kann, Gender- und Diversityaspekte in diese Maßnahmen einzubinden.

Einig waren sich die Teilnehmenden darüber, dass ein einmaliger Besuch einer Gender-Veranstaltung nicht zu mehr Gender-Kompetenz bei den Lehrenden und Studierenden führt. Vielmehr muss Gender-Kompetenz in die Lehre implementiert werden, damit Gender- und Diversityfragen in Forschung und Technologieentwicklung angemessene Berücksichtigung finden.

Twitter zu #MINTNWT15

Auf der Netzwerktagung wurde auch getwittert. Mit dem Hashtag #MINTNWT15 berichtete die Komm, mach MINT.-Geschäftsstelle live über interessante Beiträge. Einen Überblick über die gesendeten Tweets und dazugehörigen Fotos erhalten Sie hier: twitter.com/search=MINTNWT15

Wir freuen uns auf die Netzwerktagung 2016, Ihr Komm, mach MINT.-Team!

Fotos: Tom Maelsa

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