23.05.2012, Darmstadt
24.05.2012, Köln Merkenich
31.05.2012, Bremen
Startseite > Service > Veranstaltungen > Rollenvorbilder und Mitmach-Experimen...
Auf der 50. Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin war auch „Komm mach MINT“ vertreten. Vom 3. bis 8. September hatten Mädchen und junge Frauen Gelegenheit, sich durch kleine Experimente und Gespräche mit weiblichen Rollenvorbildern den MINT-Berufen zu nähern.
Montag, 6. September 2010. Pünktlich um 10.25 Uhr geht es los: Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10a der Berliner Käthe-Kollwitz-Oberschule strömen in Halle 8.1. Angeführt von IFA-Guide Adrian steuern sie direkt auf die orangefarbene, interaktive MINT-Infobox zu. Der Messestand des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI), an dem sich „Komm mach MINT“ präsentiert, ist ihre erste Station im Lernparcours „Schule@IFA“. Das Angebot richtet sich an Schülerinnen und Schüler ab der siebten Klasse mit dem Ziel, Interesse für technische Themen zu wecken.
Um gezielt Mädchen und junge Frauen anzusprechen, haben sich die Mitarbeiterinnen von „Komm mach MINT“ zwei Strategien ausgedacht: Zum einen gibt es Mitmach-Experimente wie das redundante Memory-Spiel. Es veranschaulicht, warum ein CD-Player einen Datenträger trotz Kratzer abspielen kann. Zum anderen stellen sich Vertreterinnen der Initiative „MINT Role Models“ vor. Die Idee: Durch die Präsentation positiver Beispiel-Karrieren von Frauen soll Schülerinnen die Hemmung vor einem Berufseinstieg in den MINT-Fächern genommen werden. Das Projekt ist Teil des Nationalen Pakts für Frauen in MINT-Berufen „Komm, mach MINT.“ und wird vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) mit weiteren Paktbeteiligten wie dem deutschen ingenieurinnenbund (dib) und naturwissenschaftlichen Institutionen durchgeführt.
Einblicke in ein spannendes Berufsfeld
Während die Jungen der 10a an diesem Morgen mit Papier und Schere das Prinzip der Oberflächenvergrößerung ausprobieren, befragen die Mädchen zwei Informatikerinnen, die so gar nicht den Klischees entsprechen: Afriyie Adwiraah ist 34 und arbeitet als Programmiererin bei der Hamburger Softwarefirma CoreMedia AG. Auf die Frage, wie sie zum Informatik-Studium gekommen sei, gibt sie eine überraschende Antwort: „Eigentlich habe ich mit Grafikdesign angefangen, hatte aber völlig falsche Vorstellungen – anstatt am Computer zu arbeiten, stand das Künstlerische im Vordergrund. Deshalb habe ich zur Informatik gewechselt.“
Ihre 31-jährige Kollegin Simone Heil begann nach dem Fachhochschulstudium als IT-Consultant bei CoreMedia. Inzwischen schult sie als Technical Trainer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Auch sie hatte mit der Ausbildung zur Fremdsprachensekretärin zunächst einen anderen Berufsweg eingeschlagen. „Weil mir das bald zu langweilig wurde, habe ich parallel an der Volkshochschule Kurse in Websprachen wie HTML und JavaScript besucht“, erzählt sie. In ihrem Fall war es der VHS-Dozent, der sie motivierte, ein Informatikstudium aufzunehmen.
Nach ihrem Berufsalltag gefragt, räumt Afriyie Adwiraah mit dem Vorurteil auf, Programmieren sei ein Beruf für Einzelgänger. „In unserer Firma arbeiten wir immer in Zweier-Teams. Zum einen, weil vier Augen eher einen Fehler entdecken, zum anderen, weil man gemeinsam schneller Problemlösungen findet.“
Als Trainerin Simone Heil den Schülerinnen erzählt, dass sie in ihrem Job viel auf Reisen ist, wird die 18-jährige Tina hellhörig: „Wenn Sie ständig unterwegs sind – haben Sie denn keine Kinder?“ Simone Heil ist von der Frage überrascht. „Ich hätte nicht gedacht, dass sich einige Mädchen schon so früh Gedanken über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf machen“, sagt sie später. Schülerin Tina entgegnet sie: „Noch habe ich keine Kinder und finde es toll, so viel unterwegs zu sein. Aber als Informatikerin kann ich später ja auch etwas anderes machen.“
Engagement für mehr Frauen in MINT-Berufen
Für die beiden Informatikerinnen ist es das erste Mal, dass sie als Rollenvorbilder einer Branche auftreten, die noch immer als Männerdomäne gilt. Auch im privaten Umfeld sind sie schon oft mit Vorurteilen konfrontiert worden. „Ich werde häufig gefragt, ob mein Job nicht wahnsinnig langweilig sei“, erzählt Afriyie Adwiraah. „Dabei ist er sehr vielfältig, die Zukunftsaussichten sind super und man verdient gut.“
Eben deshalb wollen die beiden einen Beitrag dazu leisten, das Image der MINT-Berufe bei Schülerinnen zu verbessern. Wie wichtig es dabei ist, dass sich Frauen gegenseitig den Rücken stärken und miteinander vernetzen, hat Afriyie Adwiraah bereits während des Studiums erfahren: „Wir hatten eine Frauen-Arbeitsgruppe, in der wir Studienthemen besprochen oder einfach mal einen Computer auseinandergebaut
haben. Von diesem Austausch untereinander haben wir alle profitiert."