Abschlussbericht und Handlungsleitfaden erschienen: "Drop-Out“ von Ingenieurinnen

08.12.2009

Da die Ursachen des „Drop-Out“ von Ingenieurinnen bisher wissenschaftlich kaum erforscht sind, hat das Wirtschaftsministerium in Kooperation mit der IMPULS-Stiftung des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) und dem Verband der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg e.V. – Südwestmetall – im Juli 2008 eine wissenschaftliche Studie in Auftrag gegeben. Wirtschaftsminister Ernst Pfister stellte die Ergebnisse dieser Studie „Potenziale nutzen – Ingenieurinnen zurückgewinnen“, die unter der Leitung von Frau Professorin Dr. Susanne Ihsen, Fachgebiet Gender Studies in Ingenieurwissenschaften an der Technischen Universität München, erstellt wurde, heute vor. Die Studie wird durch einen Handlungsleitfaden ergänzt, der sich an Unternehmen, Politik und Verbände richtet.

Für die Studie wurden 19 Interviews mit Ingenieurinnen der Fachrichtungen Maschinenbau, Elektrotechnik und Verfahrenstechnik, die heute nicht mehr in ihrem erlernten Beruf arbeiten, sowie 20 Interviews mit Frauen einer vergleichbaren Kontrollgruppe geführt. Darüber hinaus fand eine standardisierte Onlinebefragung von Unternehmen aus den Branchen Elektrotechnik, Maschinenbau und Verfahrenstechnik statt, an der sich 74 Firmen beteiligten.

Die Studie ergab, dass der häufigste Auslöser für den Drop-Out von Ingenieurinnen die Unvereinbarkeit der Tätigkeit mit der Familie ist. Dabei spielen Kinder, aber auch die Pflege von Angehörigen eine Rolle. 70 Prozent der befragten Ingenieurinnen nannten dies ursächlich für den Drop-Out. Bei der Kontrollgruppe gaben dies nur 40 Prozent an. Zudem fanden vor dem Ausstieg keine Verhandlungen über Alternativen statt – weder gingen die Frauen mit Vorschlägen auf ihre Arbeitgeber zu, noch entwickelten diese eigene Bindungsstrategien. Zudem beschreiben die befragten Frauen, dass sie vor ihrem eigentlichen Ausstieg nur teilweise beruflich integriert waren, gleichzeitig ist ihre Identifikation mit ihrem Beruf hoch.

Die Studie empfiehlt, die Mitarbeiter/-innenzufriedenheit als Teil der Unternehmenskultur auszubauen. Je höher die berufliche Integration und die Zufriedenheit der Ingenieurinnen mit ihrem Unternehmen sind, umso besser kann eine frühzeitige Rückgewinnung an den Arbeitsplatz gelingen. Unternehmen sollten ihren Schwerpunkt von Rekrutierungs- auf Bindungsstrategien verlagern. Zudem sind flexible Arbeitsmodelle erforderlich. Neben Voll- und Teilzeitbeschäftigung gibt es eine Vielzahl flexibler Arbeitsmodelle, die Ingenieurinnen eine Rückkehr in ihren Beruf erleichtern könnten.

„Zielführende Instrumente in Unternehmen könnten sein, flexible Arbeitszeitmodelle zu fördern, Arbeitsformen und Aufgabengebiete anzupassen und Frauen beispielsweise durch Mentoring-Programme ans Unternehmen zu binden“, so Ernst Pfister. Zudem sei eine kontinuierliche, individuelle Personalentwicklung auch für (teilweise) Aussteiger/-innen in hochqualifizierten Tätigkeiten erforderlich.

Die Studie kann entweder hier kostenfrei bestellt werden oder steht Ihnen als PDF zum Download bereit.