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Interview von Veronika Semel

Dr. Ing. Veronika Semel hat Werkstoffwissenschaften studiert und im Bereich Halbleitermaterialien am Fraunhofer IISB promoviert. Beim Deutschen Patent- und Markenamt prüft sie Ideen, die die Gesellschaft in den nächsten Jahren bewegen werden.

Was hat Sie dazu bewogen Werkstoffwissenschaften zu studieren?

Der Trigger war sicherlich ein Besuch der Bionik-Ausstellung im Lokschuppen in Rosenheim: Die Exponate dieser interdisziplinären Wissenschaft haben mich so begeistert, dass ich ein technisches Studium in Betracht gezogen habe. Ein Gespräch über berufliche Perspektiven mit Bekannten meiner Eltern hat mich schließlich auf den Studiengang Werkstoffwissenschaften aufmerksam gemacht.

Welchen Rat würden Sie einer Schülerin mit auf den Weg geben, die überlegt, ob sie in einem MINT-Fach studieren soll?

Habt keine Angst. Jungs haben keine besseren Fähigkeiten als Ihr. Das Studium wird euch Spaß machen und die Studierenden wachsen schnell zu einer homogenen Gruppe zusammen, die gemeinsam die Herausforderungen des Studiums bewältigt.

In Ihrer Freizeit beschäftigen Sie sich am liebsten mit...

…dem Reisen, meiner zweijährigen Tochter und meinem Pferd.

Wo und in welcher Position arbeiten Sie?

Als Patentprüferin beim Deutschen Patent- und Markenamt. Aktuell arbeite ich an meiner Qualifizierung zur selbstständigen Patentprüferin.

Wie sieht Ihr typischer Arbeitsalltag aus?

Ich fange meinen Arbeitstag gerne früh an und komme gegen 06:30 ins Büro. Hier öffne ich die elektronische Akte einer neuen Patentanmeldung und erfasse deren Inhalt. Die einzelnen Patentanmeldungen sind sehr unterschiedlich und die ersten Minuten verbringe ich nicht selten staunend ob der neuen Ideen. Anschließend recherchiere ich in der Patentliteratur (also in den weltweit veröffentlichten Patenten), dem Internet und Büchern bzw. Zeitschriften den weltweiten Stand der Technik zu der aktuellen Patentanmeldung. Die Arbeit ähnelt hier einer wissenschaftlichen Detektivarbeit und kann auch schon mal einen gesamten Tag dauern. Schließlich beurteile ich, ob die aktuelle Patentanmeldung gegenüber dem recherchierten Stand der Technik als neu (Gibt es den Anmeldegegenstand bereits?) und erfinderisch (Ergibt sich der Anmeldegegenstand für den Fachmann in naheliegender Weise aus dem Stand der Technik?) anzusehen ist. Das Ergebnis bringe ich zu Papier und sende ein Schreiben an den Patentanmelder.

Ich schätze es sehr, dass ich als Patentprüferin geregelte Arbeitszeiten habe: So verlasse ich meistens um 15:30 Uhr das Büro und hole dann meine Tochter aus der Kinderkrippe ab. Ich genieße es, mit ihr und meiner Familie entspannt den Nachmittag verbringen zu können.

Ist es für eine Frau schwieriger in einem eher männerdominierten Berufsfeld zu arbeiten?

Nein! Die fachlichen Anforderungen sind geschlechtsunabhängig. Die Zusammenarbeit mit männlichen Kollegen empfinde es als erfrischend und mir wurde glücklicherweise noch nie das Gefühl gegeben, als Frau – im Sinne einer Besonderheit - in einem männerdominierten Berufsfeld zu arbeiten. Vielmehr habe ich mich immer als Teil einer Gemeinschaft empfunden.

Welche besonderen Vorkenntnisse, Fähigkeiten und Interessen braucht man für Ihren Beruf?

Man benötigt ein Interesse an Naturwissenschaften und technischen Zusammenhängen sowie eine ausgeprägte Auffassungsgabe.

Die entsprechenden Fähigkeiten für meinen Beruf erwirbt man im Rahmen eines Studiums der Ingenieur- oder Naturwissenschaften, darüber hinaus wird man beim Deutschen Patent- und Markenamt im Rahmen der Qualifizierung zur Patentprüferin/zum Patentprüfer sehr gut auf den Arbeitsalltag vorbereitet.

Was fasziniert Sie an Ihrer Tätigkeit am meisten?

Mein Arbeitsgebiet ist sehr spannend. So prüfe ich neue Bedienelemente an Autos, wie beispielsweise bedienbare Displays mit 3-D-Anzeige oder Steuerung mit Gesten. Man wird überhaupt jeden Tag aufs Neue überrascht, welche Ideen die Anmelder/innen haben. Als Patentprüferin arbeite ich schon jetzt an dem, was die Gesellschaft in den nächsten Jahren bewegen wird. Es macht Spaß, mit den neuesten Patentanmeldungen am Puls der Zeit zu arbeiten und die technischen Innovationen hinsichtlich ihrer Patentierbarkeit beurteilen zu dürfen.

Wie schaffen Sie es, Beruf und Familie zu vereinbaren?

Ich teile mir die familiären Termine, wie z.B. das Bringen und Abholen in und aus der Kinderkrippe mit meinem Mann, der als Ingenieur in der freien Wirtschaft arbeitet. Auf diese Weise kann jeder seine beruflichen Ziele verwirklichen und die Familie steht nicht hintenan.

 

Fotoquelle: DPMA/Lisa Renninger

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